Ausstellungseröffnung "Gemeinsam gegen Sexismus" zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (26.11.2024)
"Würden wir am Ende eines Jahres eine Schweigeminute für jeden begangenen Femizid in Deutschland halten, schwiegen wir über sechs Stunden. Gedächten wir aller Frauen, die einen Tötungsversuch überlebt haben, wären es sogar knapp über 16 Stunden. Laut aktuellem Lagebild des BKA 'Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten' gab es im Jahr 2023 938 versuchte und 360 vollendete Femzide in Deutschland. Das heißt, fast jeden Tag wurde eine Frau getötet." Mit diesen Worten begann gestern die Eröffnungsrede anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. Eingeladen hatten das Frauenhaus Bitterfeld-Wolfen und das Frauenzentrum Wolfen vom Verein "Frauen helfen Frauen".
Femizide sind das Ende einer Gewaltspirale. Sie sind keine Einzelfälle, kein isoliertes Phänomen, keine Privatsache und vor allem kein Familiendrama! Sie sind Ausdruck anhaltender Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Die Vorstufe, der Nährboden von Frauenfeindlichkeit, ist Sexismus. Dazu passend haben wir die Ausstellung "Gemeinsam gegen Sexismus" vor zahlreichen Gästen eröffnet. Diese soll aufklären, sensibilisieren und vor allem Wissen vermitteln.
Sexismus ist omnipräsent und wird trotz alledem meistens ignoriert. Spricht man dennoch über ihn, wird er oft bagatellisiert und seine Folgen heruntergespielt. Dabei fördert eine Gesellschaft, welche Sexismus toleriert, die Akzeptanz von geschlechtsspezifischer Gewalt. Geschlechtsspezifische Gewalt zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten, Altersklassen und ist tief strukturell verankert. Frauen mit Behinderung sind im besonderen Maße davon betroffen. Und obwohl seit 2018 die Istanbul-Konvention in Kraft getreten ist, gilt diese hauptsächlich nur auf dem Papier. Die polizeilichen Zahlen steigen jedes Jahr, aber wir sehen trotzdem erst die Spitze des Eisberges, der noch viel größer ist. Denn auch wenn die Statistiken schon so erdrückend wie unerträglich sind, gibt es eine riesige Dunkelziffer nicht angezeigter Taten.
Wie wichtig die Verabschiedung des Gewalthilfegesetzes ist, betonten dabei sowohl Sandy Bieneck als auch Jana Gleißner in ihren Reden. Frau Gleißner, Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, widmete sich in ihrem Grußwort detailliert dem Sexismus und deren Folgen. Zudem präsentierte sie ausgewählte Zahlen des aktuellen Lagebildes des BKA. Final hob sie die Bedeutung der Frauenhäuser und des Frauenzentrums im Landkreis Anhalt-Bitterfeld hervor und bedankte sich für die stets geleistete Arbeit. Die Worte von Frau Czarcinski von den Wolfener Werkstätten des Diakonieverein Bitterfeld-Wolfen-Gräfenhainichen waren sehr emotional und berührend. Sie äußerte sich stellvertretend für Frauen mit Behinderung und Betroffene.
Ergriffen nach all den Redebeiträgen war man sich einig: Die Zeit des Handelns ist jetzt! Frauenrechte sind Menschenrechte! Gemeinsam, Hand in Hand, stellen wir uns der Gewalt an Frauen entgegen. Für ein Recht auf Leben ohne Gewalt!
Die Ausstellung kann bis Mitte Januar 2025 zu den Öffnungszeiten besichtigt werden. Sie ist ein Angebot des Bündnisses “Gemeinsam gegen Sexismus” und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
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