Mut und Tränen: Elternschaft für alle (01.​08.​2025)

„Du willst ein Kind?! Das schaffst Du niemals. Das wird doch auch behindert.“ Solche Worte hören Menschen mit Lernschwierigkeiten leider noch immer viel zu häufig, wenn sie davon erzählen, dass sie den Wunsch haben, Eltern zu werden. Diese ablehnenden und oft verletzenden Aussagen sind ein Ausdruck gesellschaftlicher Vorurteile und Unwissenheit. Um dem entgegenzuwirken, luden wir am 1. August 2025 zu einer Veranstaltung in den Wolfener Werkstätten des Diakonievereins ein.

 

 

Damit dieses sensible Tabuthema erfahrbar wird, präsentierte die Filmemacherin Anne Scheschonk 6 Kurzfilme aus ihrer Webdokumentation „In anderen Umständen“. Die Dokumentation möchte Menschen mit Lernschwierigkeiten sichtbar machen, ihnen eine Stimme geben und zeigen, was sie zu sagen haben und was sie sich wünschen.

 

Auf beeindruckende, vielfältige und einfühlsame Weise zeigen die Filme die Lebensgeschichten von Menschen, die mit gesellschaftlichen Vorurteilen konfrontiert sind, aber auch ihre Hoffnungen, Ängste und Entscheidungen zum Ausdruck bringen. Dabei wurde die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen nach jedem Film in einer offenen Gesprächsrunde zu teilen, rege in Anspruch genommen. Zudem war eine der Protagonistinnen, Simone Fischer, mit vor Ort und konnte ihre Sichtweise und Erlebnisse darlegen. Insgesamt war die Atmosphäre von gegenseitigem Respekt, Empathie und einer tiefen emotionalen Verbundenheit geprägt. Viele Teilnehmer:innen brachten ihre eigenen Geschichten ein – berührende, manchmal schmerzhafte, manchmal auch freudige Lebensmomente. Es flossen Tränen – Tränen der Trauer über gesellschaftliche Barrieren, aber auch Tränen der Freude über die erlebte Unterstützung und das Gefühl, verstanden zu werden. Diese Offenheit und das Mutmachen aller Teilnehmer:innen haben diese Veranstaltung zu etwas Einzigartigen gemacht: Hier konnten Menschen ihre Erfahrungen teilen, sich gegenseitig ermutigen und stärken. Sie lernten, sich selbst und andere mehr zu schätzen, und erlebten, dass sie mit ihren Lebenswegen nicht allein sind.

 

 

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, gesellschaftliche Tabus zu brechen und den Blick auf die individuelle Lebensrealität von Menschen mit Behinderung zu richten. Es ist ein Appell an uns alle: Das Recht auf Elternschaft ist ein grundlegendes Menschenrecht und darf nicht von Vorurteilen oder gesellschaftlicher Ablehnung eingeschränkt werden. Jeder Mensch verdient es, geliebt zu werden und die Chance zu haben, eine Familie zu gründen – unabhängig von Behinderung. 

 

 

Ein besonderer Dank gilt der Stadt Bitterfeld-Wolfen, die diese Veranstaltung durch die Unterstützung im Rahmen der Adventskalender-Aktion möglich gemacht hat. Ohne diese Förderung wäre dieses wichtige Projekt nicht realisierbar gewesen. Es ist ein Schritt in eine inklusive Gesellschaft, in der Vielfalt und das Recht auf Familie für alle selbstverständlich sind. Denn Mut zur Elternschaft ist Mut für eine gerechtere, menschlichere Welt.

 

 

Anmerkung: Da manche Menschen den Begriff „geistige Behinderung“ diskriminierend finden, wird das Wort „Lernschwierigkeiten“ an dieser Stelle verwendet. 



 

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